Die Geschichte von Yoda

 

Vom Häufchen Elend zum lebensfrohen Bär

Nachdem ich schon einige Pflegehunde bis zu ihrer Vermittlung versorgt hatte, war ich mal wieder im Internet unterwegs und schaute mir die Hundeseiten an. Viele traurige Schicksale liefen mir dabei über den Weg, aber das von Yoda sprach mich irgendwie besonders an. Also sprach ich mich mit meinem Mann, ob wir nicht doch wieder einen Pflegehund nehmen sollten. Wir waren gerade erst umgezogen und es war eigentlich noch jede Menge anderes zu tun, als einen weiteren Hund (2 eigene, ein Riesenschnauzer Mix Rüde aus dem Tierheim Lippstadt und eine Boxer-Gos d’Atura Mix Hündin aus Manresa, gehörten schließlich schon zur Familie) zu versorgen, von dem man nichts wusste. Aber irgendwie konnte ich meine bessere Hälfte becircen, wozu Yodas trauriges Schicksal und seine Chancenlosigkeit in Spanien beitrug, und ich bewarb mich um Yoda.

Am 03.05. war es dann so weit. Ich konnte Yoda bei Frau Dr. Pyka abholen und war auf das schlimmste gefasst. Gerade erst aus Spanien angekommen stolperte mir ein stinkendes etwas entgegen, ständig die Nase auf dem Boden, aber offensichtlich ganz freundlich. Ins Auto ließ er sich ohne Probleme hineinheben und auf der weiteren Fahrt ins Sauerland sah und hörte man ihn nicht. Autofahren mochte er schon einmal.

Zu Hause angekommen musste er sich erst einmal unseren beiden vorstellen, was aber ohne Probleme ablief. Sollte ich ihn baden, weil er so stank? Nein, das wollte ich ihm dann doch nicht sofort zumuten, also probierte ich erst einmal nur die Bürste und auch das ertrug er ohne zu murren. Bürsten ließ er sich also auch.

Dann kam die erste Fütterung. Es gab Trockenfutter und für alle drei dasselbe und auch reichlich, damit es auf keinen Fall Streit um das Futter geben sollte. Nachdem alle drei eine Weile an ihren eigenen Näpfen gefressen hatten, wurde dann wild getauscht. Jeder schaute, ob der andere nicht ein besseres Futter hatte und probierte mal hier und dort ein Häppchen, aber es gab keinen Streit. Futterneidisch war er also auch nicht, obwohl er doch so gehungert hatte, bis er an der Autobahn aufgelesen wurde.

Mit der Zeit bürstete ich aus Yoda mehrere Pfunde verfilzte Unterwolle heraus und er bekam ein immer glänzenderes Fell. Nach drei Wochen war dann auch mal eine Wäsche fällig, weil er sich auch in etwas stinkendem gewälzt hatte und das Fell wurde immer schöner. Anfangs hatte er an der Schnauze kaum Haare und selbst dort wuchsen sie so nach und nach. Abtrocknen war zunächst nicht sein Ding, zumal er wegen der schwachen Muskulatur noch nicht auf drei Beinen stehen konnte, aber das lernte er mit der Zeit und heute bleibt er geduldig stehen.

Unsere Spaziergänge wurden nach der ersten Testphase – wie viel kann man diesem Hund überhaupt zumuten, ohne dass er zusammenbricht – immer ausgiebiger und heute läuft er bis zu zwei Stunden mit. Längere Spaziergänge haben wir noch nicht probiert.

Natürlich muss man zwischendurch auch mal stehen bleiben, damit er in Ruhe schnuppern kann oder sein Geschäft verrichten kann, aber dann läuft er auch zügig weiter.

Obwohl er nur über ein äußerst geringes Seh- und Hörvermögen verfügt, orientiert er sich mittels seiner Nase bestens. Er läuft frei mit und orientiert sich zwar auch an unseren beiden Hunden, sucht aber vorrangig den Kontakt zum Menschen.

Im Haus merkt man ihn kaum, da er viel schläft. Da er fast taub ist, hört er nicht, wenn sich etwas tut und schlummert sanft vor sich hin. Wir wecken ihn halt mehrfach am Tage, damit er nachts durchschläft und dann kommt er auch mit in den Garten oder verfolgt uns im Haus auf Schritt und Tritt.

Da wir auch Mitglieder des hiesigen Hundesportvereines sind, musste Yoda natürlich auch mal mit zum Hundeplatz. Alle waren neugierig auf unseren Pflegehund. Einige unkastrierte Rüden versuchten zwar ihn anzumachen, aber auch das meisterte er souverän, in dem er jedem Streit aus dem Wege ging. Nette Hündinnen wurden etwas ausgiebiger beschnuppert, sofern sie es zuließen. Schließlich ist man ja auch im Alter noch ein ganzer Kerl. Er vertrug sich aber wirklich mit allem und jedem und ließ sich von allen Menschen, auch Kindern, anfassen und streicheln.

rbeiten kann man mit ihm natürlich nicht mehr. Schließlich hört er die Kommandos nicht. Ich habe ihm aber inzwischen beigebracht, dass er sich hinsetzt, wenn ich stehen bleibe und er an der Leine ist, und das funktioniert eigentlich immer öfter. Sehr lautes Schnippen mit den Fingern versteht er nun als eine Aufforderung zu folgen. Wenn er etwas ungehöriges gemacht hat, puste ich ihn sanft am Kopf an und dann geht er bzw. unterbricht seine Handlung. Also können wir uns ihm nach und nach auch immer besser verständlich machen. Man muss sich halt was einfallen lassen.

Anfangs war Yoda auch nicht gewohnt im Haus zu sein. Er verbrachte die meisten Stunden des Tages im Garten und buddelte sich seine Schlafplätze unter Büschen. Heute sucht er seinen Ruheplatz (je nach Temperatur Körbchen oder Boden) im Schlafzimmer auf, wobei er sich tierisch freut, wenn man spazieren geht. Er wird dann fast zum Junghund und springt sogar um uns herum.

Dass er so gut wie nichts sehen und hören kann, bereitet Yoda die geringsten Probleme. Er steigt inzwischen Treppen, springt ins Auto lieber rein als raus und klettert als einziger von den drei Hunden in unseren Gartenteich, der mit einer Steinkante eingefasst ist. Das trauen sich Anka und Leo nicht.

Unsere Tierärztin ist mit ihm auch sehr zufrieden. Er ist komplett durchgeimpft, entwurmt und wir haben ihn inzwischen auch röntgen lassen. Wir wollten sicher gehen, dass sein noch etwas stolpernder Gang auf die noch nicht voll entwickelten Muskulatur und das schlechte Sehvermögen zurückzuführen sind. Die Übersichtsaufnahme ergab, dass die Wirbelsäule in einem guten Zustand ist, keine Spondylose vorliegt und auch die Hüften in Ordnung sind. Auf weitere Spezialuntersuchungen haben wir deshalb verzichtet.

Zusammenfassend können wir nur sagen, dass wir es nicht bereuen, die Entscheidung für einen Pflegehund getroffen zu haben, da wir ein wirklich liebenswertes, unkompliziertes Exemplar erwischt haben, das trotz seines Alters und seiner Behinderungen eine stark ausgeprägte Lebenslust und Lebensfreude hat. Wenn wir nicht schon zwei eigene Hunde hätten, würde mein Mann ihn ganz sicher behalten!

Obwohl er sich auch an unseren Hunden orientiert, muss Yoda unserer Ansicht nach nicht zwingend als Zweithund vermittelt werden. Möglich ist es aufgrund seines sehr guten Sozialverhaltens aber auch. Mit unseren Hunden zusammen bleibt er auch einige Stunden ohne seine Menschen. Da er viele Stunden verschläft, ist dies aber sicher auch ohne andere Hunde möglich.

Über die Rasse kann gerätselt werden. Evtl. haben Schäferhund und Labrador mitgemischt, da aber die Ohren und die Rute kupiert wurden, kann man dies nicht hundertprozentig sagen. Für uns ist er das Modell kleiner Braunbär, mit dem er optisch die größte Ähnlichkeit hat. Wir nennen ihn deshalb auch Pu (der Bär).

Abschließend möchten wir noch betonen, dass ein Hund über Jahre ein Klotz am Bein ist.
Erst wenn man sich dessen bewusst ist und bereit ist sich auf einen Hund wie Yoda einzulassen, sollte man ihn zu sich nehmen. Eine Übernahme eines solchen Hundes sollte kein spontaner Versuch sein. Man muss in jedem Fall bereit sein, im Alter des Hundes zunehmende Problemchen in Kauf zu nehmen und gewillt, ihn bis zum Schluss zu respektieren!

Uwe und Barbara Born
34508 Willingen
Tel.: 05632 922516
Email:barbara.born@web.de

21.8.2003

 

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