von Dr. med. Gudrun Pyka
Eifrge Besucher der früheren Homepage des Tierheims Spanien werden sich sicher an Churrie erinnern, der über ein Jahr als Notfall zur Vermittlung stand.
Es begann im vergangenen Jahr zu Pfingsten, als ich in einem Tierheim in Sapnien war, um bereits vermittelte Tiere nach Deutschland zu bringen. Dort traf ich Churrie.
Als "Notfall", weil er sich mit einem bereits vorhandenen Husky-Mischlingsrüden gar nicht verstand und es immer wieder zu Beissereien kam. Das hat sich gebessert, die Rangordnung ist soweit geklärt, dass ich nach einem Jahr vergeblicher Vermittlungsversuche beschlossen haben, Churrie beleibt bei uns. Aber das ist nicht der Gegenstand der Geschichte, die ich erzählen möchte.
Ich wußte zu diesem Zeitpunkt bereits, das Churrie Leishmaniose positiv war, das heißt, dass er, wenn die Saison des Überträgerinsektes beginnt, eingeschläfert werden würde, weil er eine Ansteckungsquelle für andere Tiere darstellt. Diese Insekten, die vorwiegend in den Mittelmeerländern vorkommen, übertragen die Leishmanien von infizierten auf bisher gesunde Tiere. In Deutschland ist diese Erkrankung kein großes Problem; zum einen fehlt die übertragende Mücke und zum andere ist die Leishmaniose behandelbar.
Ich selbst hatte zum damaligen Zeitpunkt bereits 5 Hunde, die infiziert sind und auf unserem Hof zusammen mit den Katzen ein unbeschwertes Leben führen.

Churrie sollte nicht bei uns bleiben, sondern weitervermittelt werden. Er schien mir bestens für meine Tante geeignet, nicht so groß mit seinen 45 cm Schulterhöhe, ruhig mit seinen damals 5 Jahren, kein Raufer.
Noch am Tag meiner Rückkehr aus dem spanischen Tierheim holte sie den kleinen Kerl ab.
Und nach einer Woche brachte sie ihn zu mir zurück!! Sie kam mit seinem Jagdtrieb überhaupt nicht zurecht. So ist Churrie beispielsweiße von ihrem Balkon gesprungen, um einer vorbeilaufenden Katze nachzujagen!
Wir standen vor einem Problem!
Bei uns sind einige Samtpfoten zuhause. Wie würde Churrie sich verhalten? Nun ja... Er ließ sich nicht lumpen und jagte die Katzen auf deren erhöhte Sitz- und Schlafplätze!
Es war guter Rat teuer!
Nach vielen Überlegungen lief Operation "Gehirnwäsche an.
Es wurden mehrere Wurfketten gebastelt. (Kann man sich leicht selbst herstellen aus Ketten, die in Baumärkten als Meterware verkauft werden) Und jedes Mal, wenn Churrie hinter einer Katze her rannte, flog ihm eine Kette um die Ohren, ohne ihn zu treffen. Es sollte die Assoziation hergestellt werden, dass das Katzenjagen laute und unangenehme Folgen hat. Und Churrie wurde die ersten Wochen niemals mit den Katzen alleine gelassen.
Es war für alle Beteiligten ein anstrengende Zeit.......:-((
Zu Churries Ehrenrettung möchte ich aber sagen, dass er ein sehr gelehriger und menschenbezogener Hund ist. Er versucht immer alles "richtig" zu machen, ist sehr gehorsam.
Nach wenigen Tagen schon zeigte sich der Erfolg! Die Katzen konnten an ihm vorbeigehen, ohne gejagd zu werden. Und Churrie wurde bei jedem "Wohlverhalten" überschwenglich gelobt.
Heute duldet er sogar, dass sie ihm um die Beine streichen. Seine Augen scheinen nur sagen zu wollen, BITTE, nicht DAS auch noch!!
Sein Jagdtrieb hat er trotz der erfolgreichen "Gehirnwäsche" nicht abgelegt. Keine Maus, kein Kaninchen, kein Hase ist vor ihm sicher. Auch Jogger und Fahrradfahrer werden verfolgt. Aber wieder kann ich nur betonen, wie gehorsam er ist. Die Hasen- und Joggerverfolgung läßt sich bereits im Ansatz durch einen Befehl abwenden, so dass er ohne Leine laufen darf.

So konnte der kleine Churrie in unser bestehendes Rudel von damals 5 Hunden integriert werden. Und es ist eine Freude, die Hunde über die eingezäunten Wiesen unseres Hofes toben zu sehen. Dort kann Churrie auch seiner zweitliebsten Leidenschaft nachgehen, dem Tennisball - Spiel, bis zur Erschöpfung!
Zusammenfassend möchte ich sagen, dass man nicht die Hoffnung aufgeben darf und nicht zu schnell die Flinte ins Korn werfen sollte. Das bedeutet allerdings NICHT, dass sich jeder "Katzenhasser" in einen Katzenfreund umerziehen läßt. Aber einen Versuch ist es immer wert, wenn Katzen Fluchtwege haben und der Hund nicht zu groß ist.
Ich wünsche allen, die einen Hund aus einem Tierheim eine Chance geben, viel Glück und ein langes Zusammenleben mit ihren vier- (oder mehr oder weniger) beinigen :-)))) Mitlebewesen!
8. September 2001